Aus dem Leben eines Messebauers

Heimweh

Viele stellen sich das Leben eines Messebauers äußerst spannend vor. Ständig neue Städte und Länder die besucht werden können, immer neue Leute kennenlernen, ja fast so wie im Urlaub …

Und sogar Architekten neiden dem Messebauer seinen Job. Denn er hat in kürzester Zeit ein Bauwerk erschaffen und kann dabei sogar kreativ aus dem Vollen schöpfen mit modernen Materialien und natürlich sich baulich „austoben“. Das Größte für mich als Messebauer ist jedoch weltweit arbeiten zu dürfen. Diese Chance habe ich bei Müller Messebau in March-Hugstetten bei Freiburg bekommen. Ich hab mir fast ein Loch in den Bauch gefreut, als ich das Angebot bekam die Niederlassung und das Office in Apopka in der Nähe von Orlando Florida/USA als Branch Manager zu übernehmen. Die Einarbeitung und Vorbereitung auf das Messeleben in Amerika hat unser Unternehmensgründer Harald Müller übernommen. Eine echt harte Schule!

Der persönlich schwierigste Schritt auf diesem Weg war jedoch  mich von meinen Freunden und auch von meiner Freundin über eine nicht überschaubare Zeitspanne räumlich trennen zu müssen.

Messebauer Erik vor einem Hinweisschild in den USA.
Fern der Heimat.

Dann ging alles ganz schnell. Auf Grund meiner doppelten Staatsbürgerschaft mussten weder Visum, Arbeitserlaubnis noch Green card oder Versicherungen beantragt werden. Ein erster Flug in die USA war schnell gebucht um vor Ort, in unserer alten Niederlassung in der Clark Street in Apopka/Florida, alles anzuschauen und auch eine Wohnung (Home Resident) zu suchen. Die ersten Kontakte zu den lokalen Partnern wurden arrangiert und ich wurde als neuer Ansprechpartner vorgestellt. Wie von den Amis bekannt, alles superfreundlich und auch die ein oder andere Einladung zum Barbecue wurde ausgesprochen.

On the road again! Ein bekanntes Gefühl für die Messebauer.
On the road again! Ein bekanntes Gefühl für die Messebauer.

Mit nur zwei Koffern kam ich dann tatsächlich an und mit Euphorie habe ich die neue Wohnung bezogen, neue Möbel gekauft - das alles in kurzen Hosen im März!

Die Arbeit ging gleich gut los. Neue Kunden suchen, Entwürfe erstellen, Angebote schreiben, Präsentationen erstellen bis auch die Aufträge nach und nach ins Haus kamen - diese dann nicht nur für Messen in den USA, sondern auch für Europa und ganz speziell Deutschland. Der American style of life hat mir mehr als gut gefallen und auf Grund meiner guten Sprachkenntnisse (American English) bin ich gleich sehr gut zurecht gekommen. Natürlich mit den üblichen Schwierigkeiten, die es im Messebau gibt, Standortbedingungen auf dem Messeplatz waren nicht so wie angegeben, also umplanen, improvisieren und zeitlich oft am Anschlag.

Vor allem die Distribution ist durch die großen Entfernungen immer wieder schwierig um eine Punktlandung bezüglich Standfertigstellung hinzubekommen. Alles in allem habe ich mich aber pudelwohl gefühlt. Die Akzeptanz, der Respekt und die höfliche Achtung mir gegenüber als „fremden“ Deutschen war absolut ok.

Aus dem amerikanischen Speiseplan eines Messebauers.
Aus dem amerikanischen Speiseplan eines Messebauers.

Dennoch habe ich, vor allem nach einem Besuch meiner besten Kumpels aus Deutschland zu meinem 30. Geburtstag gemerkt, dass mir etwas fehlt: Trotz aller Freundlichkeit und vielen „wow“, „nice“ und „wonderful“ habe ich der ganzen Zeit keinen einzigen „wahren“ Freund bzw. Freundschaft aufbauen können. Jedenfalls nicht so wie in Deutschland. Es blieb fast immer bei oberflächlichen Nettigkeiten. Klar wird man eingeladen und lädt auch selbst mal zu einem Barbecue ein aber das war es dann meist. Ich bekam immer mehr das Gefühl „ich bin alleine“. Kurz gesagt, es hat sich echtes Heimweh eingestellt. Ein Gefühl, welches ich vorher nie gekannt habe und auch nie dachte, dass es mich mal „erwischen“ würde.

Immer öfter bin ich zu Besuch nach Deutschland geflogen um „aufzutanken“ und so stand für mich bald fest: Du musst wieder zurück nach GoG (Good old Germany).

Schaffe, schaffe Messebau. Hier muss jeder Handgriff sitzen.
Schaffe, schaffe Messebau. Hier muss jeder Handgriff sitzen.

Das gestaltete sich jedoch schwieriger als angenommen. Denn ein entsprechender Nachfolger bzw. eine Nachfolgerin musste erst einmal gefunden werden. Zudem musste halt auch bei Müller Messebau in Hugstetten etwas umstrukturiert werden, damit die Rückkehr und Integration in den laufenden Betrieb nahtlos klappen kann.

Letztendlich hat es noch ein ganzes Jahr gedauert und das war für mich eine gefühlte Ewigkeit. Denn innerlich hatte ich mich von Florida und den USA schon verabschiedet und gedanklich war ich schon wieder in Deutschland. Um das Ganze „auszuhalten“ habe ich mich noch mehr in die Arbeit gestürzt um mich auf diese Weise abzulenken.

Convention Center in Orlando. "Heimat-Messegelände" von Müller Messebau in den USA.
Convention Center in Orlando. "Heimat-Messegelände" von Müller Messebau in den USA.

Im Herbst war es dann so weit. Ein Nachfolger ist gefunden worden. Drei Monate Einarbeitungszeit hatten wir uns vorgenommen um alle Punkte abzuarbeiten damit übergangslos und ohne merkliche Änderungen der Standort, der in der Zwischenzeit nach Cocoa/Florida verlagert worden ist,  weitergeführt werden kann.

Ende Mai letzten Jahres war ich – mit meinen zwei Koffern -  dann tatsächlich wieder in Deutschland. Jetzt leite ich, nunmehr als Projektleiter,  meine eigenen internationalen Projekte. Natürlich mit Schwerpunkt: USA.

Denn eines habe ich definitiv mitgenommen – jede Menge tolle Kontakte die, wen überrascht es, jetzt viel besser sind als zu dem Zeitpunkt vor Ort in den USA. Jetzt haben sich daraus tatsächlich ein paar (wenige) Freundschaften entwickelt!

Vielleicht überlege ich mir das mit den USA noch einmal …   

Grüße - best regards

have a nice time!
Euer Erik